Herstellung

Herstellung

Die Gewinnung von Kork ist eine faszinierende Praxis, die eine perfekte Symbiose zwischen Mensch und Natur darstellt. Die Herstellung durchläuft mehrere spezifische Prozesse, die sorgfältig ausgeführt werden müssen, um die Qualität des Endprodukts zu gewährleisten. 

Schauen wir uns nachfolgend alle Schritte im Detail an:

 

DIE ERNTE

Die Korkernte wird in Fachkreisen als Abschälung bezeichnet. Dieser Prozess ist ein uraltes Verfahren, das auch heute noch von spezialisierten Fachkräften in absoluter Präzision in Handarbeit ausgeführt wird. 

Die Ernte von Kork erfolgt nicht jedes Jahr, sondern nur alle neun bis zwölf Jahre. Dieser sorgfältig geplante Zeitrahmen ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die Bäume ausreichend Zeit haben, sich zu erholen und neue Rinde zu bilden. Dieser nachhaltige Ansatz garantiert, dass die Bäume über viele Jahrzehnte hinweg Kork produzieren können.

 

Das einzige Werkzeug, das dafür verwendet wird: eine Axt. Anders als man es bei Arbeiten mit diesem groben Werkzeug erwarten würde, ist die Abschälung ein unvorstellbar empfindlicher Prozess, denn der Stamm der Korkeiche darf nicht verletzt werden. Zwischen Mai und August steckt die Korkeiche im aktivsten Wachstumsschub, sodass man es zu dieser Zeit am einfachsten hat, die Rinde vom Stamm zu lösen.

Mit einem seichten Wurf und viel Fingerspitzengefühl geworfen, spaltet die abgerundete Klinge der kurzstieligen Axt den Korkschwamm (so wird die Innere dicke Rindenschicht der Korkeichen in Fachkreisen genannt) am Baum. Die durch den beginnenden Sommer spröde gewordene Rinde öffnet sich mit einem charakteristischen “plopp”. Mit viel Muskelkraft werden große, halbrunde Stücke des Korkschwamms vom Baum gehebelt.

Diese manuelle Erntemethode ist nicht nur nachhaltig, sondern auch traditionsreich und erfordert ein tiefes Verständnis für die Natur des Korkbaums.

Die Verarbeitung

Unmittelbar nach der Ernte wird die Korkrinde sofort abtransportiert und auf dem Gelände der Korkfabrik im Freien gelagert. Schwerpunkte liegen auf Trockenheit und guter Luftzirkulation.  Mindestens sechs Monate muss die Korkrinde bei guter Durchlüftung und ohne direkten Bodenkontakt im Freien lagern. Die natürliche Lufttrocknung ist entscheidend, um sicherzustellen, dass der Kork seine Flexibilität und Elastizität behält. Dieser Prozess spielt eine Schlüsselrolle bei der Erhaltung der natürlichen Eigenschaften des Korks.

Wenn der Kork nun ausreichend getrocknet ist, erfolgt die Klassifizierung und Sortierung. Die äußere Rinde, auch als „Amadia“ bezeichnet, ist die hochwertigste und wird oft für die Herstellung von Korken für Weinflaschen verwendet. Die inneren Schichten werden für verschiedene Produkte wie Bodenbeläge, Wandverkleidungen oder Dämmmaterialien verwendet. Die sorgfältige Sortierung gewährleistet, dass jeder Teil des Korks optimal genutzt wird.

Anschließend beginnt die eigentliche Korkherstellung. Die Rinde wird gedämpft und anschließend auf Edelstahlplatten verbracht. Die Korkplatten verlieren durch das Dämpfen ihre Wölbung. Nun findet das sogenannte „Seasoning“ statt, enzymatische Prozesse, die den Kork erst zur Verarbeitung befähigen. 

Nach circa sechs bis neun Monaten Seasoning wird der Kork bei knapp unter 100 Grad Celsius für eine Stunde gekocht. Das Wasser wird dabei durch eine Destillationsanlage gereinigt. Das Dämpfen reduziert Schadstoffe und Mikroflora-Befall und gewährleistet zugleich eine höhere Elastizität und eine geringere Dichte des Materials. Sonst wäre die Rinde zum Verarbeiten zu hart. Als Folge des Kochens steigert sich das Volumen des Korks um etwa 20%. Das Kochwasser ist reich an Nährstoffen und riecht angenehm nach frischen, aromatischen Korken. Es wird später als Naturdünger für die Korkplantagen verwendet.

Nach dem Kochvorgang muss die Korkrinde abkühlen und trocknen. Diese Stabilisierungsphase dauert etwa 2-3 Wochen. Die Korkrinde wird dabei auf circa 17% Luftfeuchtigkeit zurückgeführt, um möglichst wenig Angriffsfläche für Pilze und Mikroorganismen zu bieten. Ein angemessener Feuchtigkeitsgehalt ist wichtig für die Verarbeitung.

Während des gesamten Prozesses unterliegt der Kork einer strengen Qualitätskontrolle. Diese umfasst die Überprüfung der Dichte, Elastizität und äußeren Merkmale. Die Endprodukte werden sorgfältig auf ihre Funktionalität und Ästhetik hin überprüft, um sicherzustellen, dass sie den hohen Standards der Korkindustrie entsprechen.

 

Die Verarbeitung von geernteten Korkrinden ist somit eine faszinierende Mischung aus Tradition und moderner Technologie. Dieses Handwerk, das Generationen überdauert hat, trägt nicht nur zur Schaffung vielseitiger und nachhaltiger Produkte bei, sondern bewahrt auch die einzigartigen Eigenschaften des Korks als Naturmaterial.

Korkleder 

Unser Korkleder, auch Korkstoff genannt, ist ein ökologisches und nachhaltiges Naturprodukt. Die Korkschicht, die von der Korkeiche gebildet wird, ist etwa 3-5cm dick. Qualitativ eignen sich allerdings nur wenige Prozent für die Weiterverarbeitung zu Korkleder. Nur aus dem mittleren Teil der Rinde kann, wenn alle Qualitätsanforderungen stimmen, Korkleder produziert werden.

Die entstandenen Korkplatten der mittleren Rindenschicht werden mit einem organischen, wasserbasierten Klebstoff zu größeren Platten verbunden, die wiederum sehr dünn geschnitten, aufbereitet und anschließend wie ein Patchwork mit dem Klebstoff auf ein Gewebeträgermaterial aufgebracht werden. Dieser, sehr vereinfacht beschriebene Vorgang, ist sehr aufwendig und erhält so die natürliche Maserung des Korks. Es entstehen tolle und interessante Strukturen und Muster, die je nach Baum unterschiedlich sein können.

Nachhaltigkeit

Kein Teil der Korkeiche wird jemals verschwendet. Alle Teile haben sowohl ökologische, als auch wirtschaftliche Zwecke.

Die Korkeichen selbst werden niemals gefällt, denn nach jeder Ernte durchlaufen sie einen einzigartigen Prozess der Selbstregeneration der Rinde und können so nach neun bis zwölf Jahren erneut geerntet werden. Die Eichel wird zur Vermehrung ihrer Art, als Futtermittel, für heimische Tierarten, sowie zur Herstellung von Speiseölen verwendet. Die Blätter dienen als natürlicher Dünger und ebenfalls als Futtermittel. Die Überbleibsel vom Baumschnitt oder das Holz von toten Eichen bieten Nutzen als Feuerholz und Holzkohle. Die natürlichen Säuren, die sogenannten Tannine, die in der Rinde und im Holz der Eiche stecken, werden für kosmetische und chemische Produkte verwendet.

Die Verarbeitung von Kork erfordert im Vergleich zu einigen anderen Materialien weniger Energie. Die Herstellung von Korkprodukten, insbesondere im Vergleich zu Kunststoffen oder einigen Metallen, trägt zu einer geringeren Umweltbelastung bei.

Korkprodukte können wiederverwendet oder recycelt werden. Dies trägt dazu bei, den Lebenszyklus von Kork zu verlängern und Abfall zu reduzieren.

 

Alle Bestandteile der Korkernte und dem Umgang mit dem Material verleihen dieser Tätigkeit einen bislang einzigartigen Charakter, da sie auf einem respektvollen Umgang mit der Natur basiert, die Ernte auf die Regenerationsfähigkeit der Bäume abgestimmt ist und die gesamte Wertschöpfungskette ökologische und soziale Verantwortung berücksichtigt.


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